• 14 Nov 2007 /  MainlyBrabbel

    Bescheidenheit ist eine Zier,
    doch besser lebt man ohne ihr.

    Wer kennt diese Redensart nicht? Ich bin mir zwar nicht sicher, ob nicht etwas Anderes als die Anlehnung an dieses Sprichwort das sprachliche Problem in dieser Anzeige verursacht hat:

    Die Elektronik-Kette, deren Anfangsbuchstabe ich der Alliteration im Titel zuliebe verändert habe, hat in diesem Print-Inserat offenbar ein Fallproblem. Die Präposition “ohne” verlangt den Akkusativ, nicht den Dativ.

    Als ich in der “Luzerner Woche” über diese Worte gestolpert bin, habe ich als erstes “ohne” durch sein semantisches Gegenteil “mit” ersetzt. Siehe da, es hat richtig geklungen. Ich denke, dass genau diese, in der Schulzeit eingeprügelte Ersatzprobe das Problem ist. Irgendwie schlussfolgern wir, dass die beiden Präpositionen “ohne” und “mit” auch dieselben Anforderungen ans morphosyntaktische Umfeld stellen. Dem ist freilich nicht so, warum auch immer – Deutsch halt. Andere Vermutungen?

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  • 14 Nov 2007 /  MainlyBrabbel

    In der Zeitungswerbung eines Grossverteilers dreht ein Stück Fleisch den Spiess um und paniert den Hals des Metzgers.

    Wie kommt es zu diesem Missverständnis? Die Antwort liegt in der Erwartung der deutschsprachigen Menschen, wie ein Hauptsatz aufgebaut ist. Meine Erwartung lautet “Subjekt – Verb – Objekt”, übersetzt in eine Frage “Wer tut was?” Das Schweinsplätzli (Subjekt: Substantiv im Kasus Nominativ) paniert (Verb, 3. Singular Indikativ Präsens Aktiv, verlangt einen “aktiven Täter” als Subjekt und einen “passiven Leidenden” im Akkusativ) ein Schweinsplätzli (direktes Objekt: Substantiv im Kasus Akkusativ).

    Nur ist “paniert” eben keine konjugierte Form des Verbs, sondern ein Partizip II, das sich wie ein Adjektiv verhält. Das heisst, dass in Wahrheit das Schweinsplätzli paniert ist und unklar ist, wie “Hals” in die ganze Geschichte einzuordnen ist. Aus unserem Weltwissen schlussfolgern wir: Wir können im Supermarkt diese Woche ein paniertes Plätzli vom Schweinshals zu günstigen Konditionen einkaufen.

    Die einen nennen es “Unsitte”, die anderen sehen darin eine neue Art von produktiver Syntax, in der man hinter das Nomen noch ein undekliniertes Adjektiv stellen kann (“Schweinsplätzli paniert, Forelle blau, Hund tot”). Aber wie wir oben gesehen haben, führt die elliptische Verkettung eines solchen Ausdrucks mit einem weiteren Substantiv zu unfreiwillig komischen Missverständnissen.

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  • 01 Dez 2006 /  Allgemein

    schoggistrauss.jpg

    Bei der Korrektur eines Inserats ging es um folgendes sprachliches Problem:

    beim Kauf eines dieser Monitore
    beim Kauf einer dieser Monitore

    Welche Fügung ist korrekt? Es ist die obere. Die untere wäre nur dann korrekt, wenn man “Monitore” durch ein weibliches Nomen, z.B. “Kameras” ersetzte.

    Warum blogge ich das? Das Sprachgefühl wird im MarCom-Alltag oft beansprucht. Eine verlorene Wette, in der es um Sprachgefühl geht, mit einem supertollen Schoggistrauss abzugelten, wäre schlicht nicht nötig gewesen. Herzlichen Dank trotzdem.

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  • 26 Okt 2006 /  Allgemein

    Die jahrzentelange Beschäftigung mit immer demselben Warenwirtschaftssystem (nicht Nintendo Entertainment System!) scheint Wissensarbeiter zu befähigen, weit mehr als oberflachöse Diskussionen in Kinderkramblogs zu führen. Nein, die eingehende Beschäftigung mit wunderbaren Histories scheint als Zusatznutzen auch das Sprachgefühl zu schärfen. Aber lesen Sie selbst…

    “Blogs sind Spielereien für kleine Kinder”. Das vermeldet ein Kommentator im Golem.de-Forum. Hier der ganze, ähm, ja, Diskussionsbeitrag:

    Was soll der ganze Scheiß mit Web2.0?
    Was ist denn an Blog’s so neu und toll?
    Das sind nur spielereien für kleine Kinder.
    Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass das was hinter Blog und Co. steht der Ursprung des Internets war. Wenn ich es als Firma nötig habe auf Blogs zurück zu greifen, ist das ein Armutszeugnis.
    Wir arbeiten seit DOS Zeiten mit einem Program für die komplette Warenwirtschaft und da gibt es wunderbare Histories no need for blogging
    blob I hat such superficious discussions

    Nein, diesmal ist es nicht der Deppenapostroph bei “Blog’s”, auch nicht die verpasste Grossschreibung bei Nomen wie in “spielereien”. Kommafehler macht jeder einmal, dieser Bursche lässt drei Kommata aus. Auch das fehlende m in “Program” erregt nicht meine Aufmerksamkeit. Das Leerzeichen in “DOS Zeiten” fällt auch nicht weiter ins Gewicht. Mir selber tun Plurale wie “Histories” in deutschen Texten nicht so weh wie der “Duden”-Redatkon. Nein, aber mir gefällt dieser Satz:

    blob I hat such superficious discussions

    blob? A boy and his blob? Das war ein Game auf dem Nintendo Entertainment System.
    I hat such? Ich hatte gesucht? Ich suchte den englischen Hut? Es soll wahrscheinlich “ich hasse solche” heissen.
    superficious? Wörtlich übersetzt etwa “oberflachös”. “Oberflächlich” heisst meines Erachtens immer noch “superficial”. Oder ist das superstiziös?

    Das Beispiel zeigt, dass Netzwerken wie Swissblogpress noch viel Aufklärungsarbeit bezüglich des Blogging-Potenzials bevorsteht.

    Dieser und andere Kommentare wurden übrigens auf den Beitrag “IT-Verband: Bloggen in Firmen tut Not” hin verfasst, der es zum einen versäumt, Nichtdeutschen zu erklären, wer der Bitkom-Verband ist und zum anderen, welche Vorstellungen sich Bitkom über den konkreten Einsatz von Web-2.0-Technologie im Wissensmanagement macht.

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  • 29 Sep 2006 /  Allgemein

    Nichts Neues: Die werbeorientierte Gesundheitskommunikation schert sich nicht um sprachliche Prinzipien. Dieser Artikel handelt von Leerzeichen, die dort nicht sein dürften und zusammenhanglosen Aufzählungen von Nomen. So lauten nämlich die Rezepte für die Kreation eines passenden Titels fürs nächste Gesundheitsheftli.

    gesundheits_presse

    Wenn die Anzeiger Luzern AG eine Publikation mit diesem Titel gratis an die Haushalte verteilt, dann sind wir im Deppenleerzeichen-Land. Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb man “Gesundheits-” und “Presse” auseinander schreiben soll. Der erste Teil ist noch nicht einmal ein eigenständiges Wort. Anders im Beispiel aus dem Titel: Im bekannten Roman gibt es (wohl) eine Figur namens “Schlafe”, die einen Bruder hat, und “Schlafes” ist der Genitiv von “Schlafe”. “Gesundheits” ist aber nicht der Genitiv zu “Gesundheit”. Das “-s” ist ein Fugen-s, das aus klanglichen Gründen in manchen zusammengesetzten deutschen Komposita eingefügt wird. Darum: “Gesundheitspresse”. Vielleicht haben die Schöpfer dieses Titels gedacht, das klinge “irgendwie blöd”, man assoziiere dann vielleicht mit “Zitronenpresse”. Das mag Ihnen jetzt vielleicht sauer aufstossen. Besonders, wenn Sie an die Patienten mit Langzeitpflegebedarf denken, die wegen der geplanten Neuregelungen in der Schweizer Gesundheitspolitik stärker ausgequetscht werden. In dieser Hinsicht liegt die Assoziation mit der Zitronenpresse eigentlich noch nahe. Aber weder das sprachliche noch das politische Problem lassen sich mit der inkorrekten Getrenntschreibung lösen.

    Kleiner Exkurs für Sprachinteressierte
    Da können Sprachhüter noch so flennen: Das zusammengesetzte Nomen, das immer häufiger auseinander geschrieben wird, und der Genitiv, der aus immer mehr angestammten Positionen verschwindet und durch Präpositionen ersetzt wird, haben im Deutschen eine Präzisionsschwäche gemeinsam. Sie fassen nämlich mehrere semantische Beziehungen zwischen z.B. zwei Nomen zusammen. Das Kompositum “Zitronenpresse” zum Beispiel geht um eine Presse, die Zitronen auspresst. Das Kompositum “Gesundheitspresse” dagegen quetscht nicht Gesundheit aus, sondern handelt von Gesundheitsthemen. Es gibt ein anderes Beispiel, das man oft zu hören bekommt. Es funktioniert als Kompositum und als Genitiv: “die Elternliebe” oder “die Liebe der Eltern”. Sie glauben mir nicht? Gut, hören Sie sich folgende zwei Beispielsätze an:

    (1) Tom hatte als Kind nie genug Elternliebe (Liebe der Eltern) erhalten.
    (2) Tom brachte es trotz aller Elternliebe (Liebe der Eltern) nicht übers Herz, sein Vorhaben aufzugeben.

    Bei Beispiel 1 ist die Liebe gemeint, die von den Eltern ausgeht, die die Eltern verspüren. Bei Beispiel 2 geht es um die Liebe, die Tom gegenüber seinen Eltern fühlt. Wer von Ihnen Latein hatte, wird den Genitiv aus Beispiel 2 noch als “genitivus objectivus” in Erinnerung haben. Im Deutschen klingt dieser Genitiv antiquiert, man würde das Kompositum wählen oder eine Konstruktion mit Präposition:

    Tom brachte es trotz aller Liebe zu seinen Eltern nicht übers Herz, sein Vorhaben aufzugeben.

    Deshalb tun mir Komposita mit Deppenleerzeichen und das leise Schwinden des Genitivs auch nicht so weh, wenn sie im Laufe des Sprachwandels Alternativen Platz machen, die es uns ermöglichen, uns präziser, wenn auch nicht unbedingt eleganter auszudrücken.

    Es gibt noch ein anderes lustig benanntes Medienprodukt in der Schweizer Gesundheitskommunikation, nämlich diese hier:

    Gesundheit Sprechstunde

    Hier kommt es noch besser: Gesundheit und Sprechstunde, das hat zwar irgendwie etwas miteinander zu tun, aber nicht syntaktisch. Eine Gartenzeitschrift könnte dementsprechend etwa “Blumentopf Gartenarbeit” heissen. Eine Gesundheitssprechstunde wäre zwar möglich, aber doch etwas sperrig und stilistisch ein Graus. Der Titel klingt fast so, als hätten sich die Macher zwischen zwei Begriffen nicht entscheiden können. Die Überlegungen könnten folgendermassen abgelaufen sein: “Gesundheit, das tönt so allgemein, so viel Verantwortung wollen wir für unsere Inhalte nicht übernehmen. Und Sprechstunde, das tönt so unangenehm nach klinisch riechendem Wartezimmer, nach Verbindlichkeit und Ausziehen vor dem Arzt. Dann schreiben wir halt Gesundheit Sprechstunde, das ist sehr angenehm und ein wenig unangenehm, macht zusammen also immer noch leicht angenehm. Und schliesslich wollen wir auch, dass die Leute etwas in unserem Online-Shop bestellen. Das tun sie nur, wenn es ihnen wohl ist. Also, gebongt.” Es könnten natürlich auch viel rationalere Gedanken dahinter gesteckt haben, aber sprachlich ist der Produkttitel wirklich hässlich. Nichts als eine Aufzählung von Nomen, die ein wenig mit einander zu tun haben.

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  • 26 Sep 2006 /  Allgemein

    ASUS Live Update

    Immer wieder eine Freude bereitet uns ASUS mittels seines Freistil-Umgangs mit der englischen Sprache. Der aktuelle Katalog strotzt vor Übersetzungsfehlern. Ich glaube, es müsste “There is no need to update the environment” heissen. Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass diese Art der Satzstellung in anderen Sprachen funktioniert.

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  • 23 Sep 2006 /  Allgemein

    NLZ neulich
    Sorry guys für die schlechte Bildqualität

    Hallo, wieder von zu Hause aus… Neulich in der NLZ stand auf Seite 2 unter “Top-News” diese Zusammenfassung. Wer alle Fehler findet, die/den lade ich nach Sursee oder Mägenwil zum Kafi ein, sobald mein Sitzfleisch sich wieder erholt hat.

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  • 23 Jan 2006 /  Allgemein

    Es steht doch hier (heutige Ausgabe von “20 Minuten”):

    Der DOS-Virus

    “Der Bootsektor-Virus (…) infizierte Rechner mit dem Betriebssystem MS-DOS über Floppy-Disketten (…).” Der hat aber voll eingeschlagen, der MS-DOS-Virus!

    Der grammatische Hintergrund: Warum ich über diesen Satz beim ersten Durchlesen stolperte, liegt in der Präpositionalgruppe “mit dem Betriebssystem MS-DOS” begründet. An dieser Stelle im Satz lässt sich rein syntaktisch gesehen nicht determinieren, ob sie zur Nominalgruppe “Rechner” gehört (= Rechner mit dem Betriebssystem MS-DOS), oder ob sie das Verb “infizierte” (jdn. mit etw. infizieren) ergänzt. Der Satz ist somit mehrdeutig.

    Der Journalist hätte diese Textstelle eindeutiger formulieren können: “Der Bootsektor-Virus (…) infizierte MS-DOS-Rechner über Floppy-Disketten (…).” In der gesprochenen Sprache hätte man suprasegmentale Mittel wie z.B. die Betonung zur Verfügung, die Satzteile von einander abzugrenzen.

    Übrigens, zur Zeit des Bootsektor-Virus “Brain” gab es bereits die Version 3.2 von MS-DOS. Von der Versionsnummer her gesehen, können wohl nicht nur Microsoft-Hasser darauf schliessen, dass bereits viele Rechner mit MS-DOS “infiziert” waren.

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