• 11 Nov 2007 /  MainlyBrabbel

    Man nehme den unsympathischsten Dialekt der Schweiz, vertone damit einen billigen Werbespot und schalte ihn in Power-Rotation auf allen möglichen Sendern. Und schon ist sie geboren, die nervigste Kultwerbung seit “jetz gits öppis ufs händizehah – wüäh”. Ist das nicht sogar derselbe Sprecher, diesmal einfach unverzerrt? Ich weiss es nicht.

    Die Werbung bleibt mir nicht nur im Gedächtnis, weil sie so häufig im TV zu sehen ist. Nein, auch das Schweizerhochdeutsch des Sprechers – wir wollen politisch korrekt von “Lokalkolorit” sprechen – trägt zum Nerv-Faktor bei. Und wenn man sich darüber nervt, erinnert man sich auch eher. In diesem Sinne lohnt es sich natürlich, langweilig-perfektes Hochdeutsch zu vermeiden. Zumal das Angebot aggressiv beworben werden muss, solange das Angebot nicht so gut sein soll.

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  • 15 Jun 2006 /  Allgemein

    Sondern eine, in der es ums Umziehen geht. Als Moderatorin nimmt Susanne Kunz die Zügel in die Hand. SF nähert sich hier zügig den soapigen Unterhaltungsformaten deutscher Privatsender an. Trotzdem musste ich mich nicht zügeln, diese Worte zu posten:

    Susanne Kunz moderiert ab September 2006 «Tapetenwechsel – Das grosse Zügeln», die neue, junge Wohnsendung des Schweizer Fernsehens. In sieben Folgen werden Menschen mit «Wohnsorgen» beim Zügeln in ein neues Heim begleitet. Für die gekonnte Einrichtung in gestalterischer und handwerklicher Hinsicht sorgt das Expertenduo Tatjana Glemser und
    Andrin Schweizer.

    (Quelle: mitreden.ch)

    Laut Meyer steht «zügeln» mundartnah bis standardsprachlich primär für «umziehen». Nur dumm, dass es in der Standardsprache ein Verb gibt, das genau gleich tönt und gleich geschrieben wird: eben «zügeln», etwa mit der Bedeutung, Bedürfnisse zu unterdrücken. Deshalb war es wohl nötig, für die TV-Sendung den etwas sperrigen Titel «Tapetenwechsel – das grosse Zügeln» zu wählen.

    Meyer, Kurt (1989): Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten (=Die Duden-Taschenbücher, Bd. 22). Mannheim/Wien/Zürich, S. 335.

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  • 25 Feb 2006 /  Allgemein

    Unten steht die Replik auf das beleidigende E-Mail eines Herrn XY, der neulich über das schlechte Deutsch in Radio und Fernsehen wetterte. Entweder hat er sich damit abgegeben oder steht schon in Kontakt mit seinen Anwälten, ich weiss es nicht. Jedenfalls hat er mir auf dieses Mail keine Antwort mehr geschrieben:

    Sehr geehrter Herr (Name)

    Habe mittlerweile die Kommentare zu Ihrem Beitrag auf der Meinungsplattform gelesen – es hat einige differenzierte, gute darunter.

    Ich habe kein Problem damit, meine Meinung als die eigene auszuzeichnen und mit meiner E-Mail-Adresse zu unterschreiben, und ich habe auch kein Problem damit, dass Sie mich mit dem Wort “Besserwisser” beleidigen. Auch dass Sie an meinem Verständnis für das so genannte “Problem” zweifeln, spricht nicht für Ihre Diskussionsbereitschaft.
    Da ich mich im Laufe meines Studiums sowohl mit den Massenmedien, mit Medienpädagogik, Psychologie und auch intensiv mit den Mechanismen von Sprache auseinander gesetzt habe, denke ich, dass ich tatsächlich besser weiss, wovon ich spreche.

    Es ist immer einfacher, die Ursache für ein Problem einem “Schwarzen Peter” zuzuschieben und bei Kritik alle anderen als Unwissende zu bezeichnen. Lassen Sie mich wenigstens versuchen, Ihnen meine Standpunkte klar zu machen:

    1. Die Sprache ist dauerndem Wandel unterzogen. Die Vermischung von Kulturen führt zu Veränderungen im Wortschatz wie auch in der Grammatik. Die deutsche Sprache ist ebenso entstanden. Denken Sie das nächste Mal dran, wenn Sie “Velo” (französisch), “Kiste” (griechisch), “Konto” (italienisch) oder “Kloster” (lateinisch) sagen. So, wie anderssprachige Ausdrücke ins Deutsch einfliessen, verschwindet der Genitiv langsam und schleichend aus der deutschen Sprache (man sagt “wegen dem Wetter” anstatt “wegen des Wetters”). Übrigens stammen Deutsch wie Englisch beide vom Germanischen ab, das mit den anderen genannten Sprachen vom Indogermanischen abstammt. Wie Sie sehen, eine einzige, grosse Familie.
    Warum sollte man einen geschichtlich gesehen flüchtigen Sprachstand dermassen schützen wollen, wie das die Franzosen (Computer = logiciel) tun oder die Nazis getan haben (Banane = Schlauchapfel)?

    2. Die Sozialisation, also die Eingliederung junger Menschen in die Gesamtgesellschaft, ist nicht allein von den Massenmedien abhängig. Eltern, Mitschüler und Schule kommen lange vor den Massenmedien. Früher war die Kirche ebenfalls wichtig. Die Kinder übernehmen zuerst die Sprache der Eltern, dann die der Mitschüler. Mit den technologischen Entwicklungen (Mobiltelefone für jedermann, Instant Messaging auf dem Computer) ist es sogar so, dass die Jugendlichen angeregt werden, sich überhaupt sprachlich auszutauschen, anstatt passiv vor dem Fernseher Trickfilme zu schauen. Dabei entwickeln sie eine kreative Kurzsprache, die uns Erwachsenen kryptisch und unschön erscheint.

    3. Die PISA-Studie misst schulische Leistungen, das hat wenig mit dem Erstspracherwerb zu tun – zumal der Test mehr als nur sprachliche Leistungen testet, z.B. 3D-Denken. Diese Leistung ist in erster Linie abhängig von der Vermittlungskompetenz der Lehrer.

    4. Die Standarddeutsch-Fähigkeiten unserer Moderatorinnen und Meteo-Häschen sind tatsächlich nicht über alle Zweifel erhaben. Allerdings ist ein gewisser Schweizer Akzent erlaubt. Es gibt Regeln für die “Fernsehsprache”, auf dessen Basis es ein Lexikon für “Schweizer Hochdeutsch” gibt.
    Glauben Sie eigentlich wirklich, dass unsere Kinder und Jugendlichen ausschliesslich die Sender der SRG hören? Sie haben offensichtlich nicht viel mit jungen Leuten zu tun.

    5. Musik kann auch ohne Textverständnis genossen werden. Die Mundartmusik andererseits ist, zumindest im Pop-Bereich, seit einigen Jahren wieder gut vertreten. Ich hoffe, Sie haben schon einmal von Plüsch, Florian Ast, Adrian Stern etc. gehört. Ich jedenfalls kenne diese Namen aus dem Radio. Im Vergleich zu englischen Produktionen ist der Anteil natürlich mehr als gering. Der Music Star-Finalist Mario Pacchioli hat letztes Jahr sogar eine Single in Rumantsch heraus gebracht. Aber ich bin nicht darüber informiert, was die “Schweizer Quote” in der Radioprogrammierung betrifft.

    6. Wer Englisch lernt, verschafft sich bedeutende Schlüsselvorteile fürs spätere Berufsleben. Ich glaube nicht, dass ich Ihnen das darlegen muss.

    7. Es geht sehr wohl darum, mit gutem Beispiel voran zu gehen, was die Beherrschung des Deutschen betrifft. Vielleicht kennen Sie Jean Piagets Theorie des Lernens am Modell. Ihr Beitrag strotzte nur so von Fehlern – dieselben Fehler, die Sie dann an den SRG-Mitarbeitern bemängeln.

    In diesem Sinne:
    Have a nice week-end!

    Daniel Rei

    Natürlich war das alles sehr verkürzt und vereinfacht dargestellt, aber ein wenig Fachidiotisch reicht in diesem Fall völlig, um mich der Beleidigung zu erwehren. Flüchtigkeitsfehler vorbehalten…

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  • 18 Feb 2006 /  Allgemein

    So hiess es letzthin auf der Online-Meinungsplattform der SRG SSR idée suisse:

    Deutsch? Es wird immer schlechter…
    Wir alle hier im kanton Bern befinden uns in einem deutsch sprechenden Kanton – doch wer erwartet, dass wir auch in einer der 4 Landessprachen angesprochen würden – der irrt!
    Unsere Radio und Fernsehkommentatoren sind einer deutschen (geschweige der drei anderen) Landessprache gar nicht mehr fähig. Es hagelt nur so von Ausdrücken – in englisch. Aber auch dasselbe im Bereich Musikunterhaltung. Auch hier ist dasselbe zu beobachten. Meiner
    Meinung nach werden etwa 90% englische Lieder gesendet. Wieviel % der Bevölkerung verstehen solche Lieder? Die Folge diese bösen Entwicklung – lt. PISA-Studie können unsere Kinder schön längst kein einigermassen akzetables deutsch mehr. Schuld an diese Misere sind meiner Meinung nach – diese Radio und Fersehanstalten. Muss es soweit kommen, dass wie in Frankreich diese öffentlichen Anstalten verpflichtet werden müssen? Hier wird kräftig an der Bevölkerung vorbei produziert.

    Da juckte es doch wieder einmal in meinen Fingern:

    In Ihrem Text habe ich beim ersten Durchlesen neun Orthographiefehler und zwei stilistische Probleme gefunden. Es nützt nichts, über das Deutsch zu lamentieren, wenn man selbst nicht mit gutem Beispiel voran geht.

    Worauf zurückkam:

    Mein lieber Daniel Rei,
    ich glaube Sie haben einfach nicht begriffen um was es hier geht.
    Hier geht es nicht um mit gutem Beispiel voran gehen (wie Sie sagen) sondern um ein Problem.
    Ich habe dutzende Zuschriften erhalten – einige sind empört so wie Sie (Besserwisser gibt es leider immer) – andere haben das Problem erkannt und ich bin dankbar dafür. Bei Ihnen ausnahmsweise antworte ich – bei den anderen – nun da ist eben Hopfen und Malz verloren
    (so der Volksmund).
    Nomal – hier geht es um ein Problem und nicht ob ich einige Orthographiefehler mache oder nicht….
    Haben Sie dies begriffen?


    Mit freundlichem Gruss
    (Name)
    Bitte antworten Sie auf diese Mailbox:
    (E-Mail-Adresse)
    P.S. Sie haben wenigstens den Mut Ihr Mailadresse bekannt zu geben.

    In meiner Misere und Unverständnis kam ich nicht umhin, noch einmal zu antworten. Doch davon ein andermal, und hoffentlich wieder in dieser entstellten Sprache… In diesem Sinne: CU ;-)

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  • 27 Okt 2005 /  Allgemein

    Jens von der Blogwiese setzt sich als Immigrant in seinem Weblog immer wieder mit der schweizerdeutschen Sprache (und anderen hiesigen Eigenheiten und Eigenwilligkeiten) auseinander und teilt seine Beobachtungen auf amüsante Weise mit.

    Offenbar schwierig sind für ihn nicht nur grammatikalische und lexikalische Besonderheiten des Alemannischen (vgl. “heb Sorg“), sondern auch “Wörter, die total Deutsch klingen, und doch zunächst völlig unverständlich sind für Deutsche” (vgl. “Betreibung“). Keine Angst, wir Schweizer haben unsere eigene Mühe mit den Helvetismen. Nur zu oft bemerken wir sie im Umgang mit Deutschen nämlich nicht. Nicht, dass Deutsche nicht wissen, was wir meinen, wenn wir beispielsweise “Verwaltungsrat” (binnendeutsch =Aufsichtsrat, vgl. Meyer 1989, S. 313) schreiben, aber es kommt ihnen eigenbrötlerisch, bestenfalls antiquiert vor.

    “Trotzdem gibt es ein, vor allem schriftlich gebrauchtes, “Schweizerhochdeutsch”, d.h. eine Variante der deutschen Standardsprache mit lautlichen, orthographischen, grammatikalischen und Wortschatz-Eigenheiten, die (…) nicht der (binnendeutschen) Einheitsnorm entsprechen.

    Meyer, Kurt (1989): Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten (=Die Duden-Taschenbücher, Bd. 22). Mannheim/Wien/Zürich, S. 14.

    Das wäre vielleicht hilfreich für Sie. Ach ja, wie im Zitat oben beschrieben, gibt es auch in der Aussprache Differenzen. Sagen sie niemals “Michael von der Heide”, sondern “Michael von der Heide” (so werden Sie es auch in Schweizer Medien hören). Orthographischer Tipp am Rande: Vélo sollten Sie ohne accent aigu schreiben (Meyer 1989, S. 306).

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