• 11 Nov 2007 /  MainlyBrabbel

    Man nehme den unsympathischsten Dialekt der Schweiz, vertone damit einen billigen Werbespot und schalte ihn in Power-Rotation auf allen möglichen Sendern. Und schon ist sie geboren, die nervigste Kultwerbung seit “jetz gits öppis ufs händizehah – wüäh”. Ist das nicht sogar derselbe Sprecher, diesmal einfach unverzerrt? Ich weiss es nicht.

    Die Werbung bleibt mir nicht nur im Gedächtnis, weil sie so häufig im TV zu sehen ist. Nein, auch das Schweizerhochdeutsch des Sprechers – wir wollen politisch korrekt von “Lokalkolorit” sprechen – trägt zum Nerv-Faktor bei. Und wenn man sich darüber nervt, erinnert man sich auch eher. In diesem Sinne lohnt es sich natürlich, langweilig-perfektes Hochdeutsch zu vermeiden. Zumal das Angebot aggressiv beworben werden muss, solange das Angebot nicht so gut sein soll.

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  • 23 Mai 2007 /  Allgemein

    Mich würde ja brennend interessieren, warum der Chefredaktor in der Freizeit zeuselt. Schliesslich produziert die “Bild” ja schon genug furiose Schlagzeilen (Offline-Flaming?), die regelmässig lodernden Hass von Boulevard-Kritikern einheimsen. Aber genug der Worte: Feuern wir Herrn Diekmann bei der Entflammung fremden Eigentums an!

    Hier noch der Originaltext aus dem “Kleinreport”:

    Auto von «Bild»-Chefredaktor angezündet

    Unbekannte haben in der Nacht auf Dienstag einen Brandanschlag auf das Auto von «Bild»-Zeitung-Chefredaktor Kai Diekmann verübt. Der Familienkombi, ein Wagen der Mercedes-R-Klasse, wurde mit Kinderwagen und Kindersitzen völlig zerstört, teilte die Feuerwehr mit. Die Polizei vermutet nach eigenen Angaben einen politischen Hintergrund. Einen Zusammenhang mit dem bevorstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm schliessen die Ermittler nicht aus. Der Staatsschutz ermittelt.

    Die Schlagzeile ist unglücklich gewählt, da sie missverständlich ist. Natürlich hat nicht Diekmann ein Auto angezündet, sondern Diekmanns Auto wurde angezündet. Deshalb erlaubte ich mir den Spass.

    Wie hätte man die Schlagzeile verständlich geschrieben, ohne dass es reisserisch wirkte? Schwierig. Was meinen Sie? Mein Vorschlag: “Auto des «Bild»-Chefredaktors angezündet”. Immer noch passivisch, aber der Genitiv macht die Besitzverhältnisse klar.

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  • 27 Feb 2007 /  Allgemein

    Nicht immer ist es einfach, der zu sein, den man fragt. Damals habe ich geschrieben, dass in den Medien immer wieder dieselben Experten auftreten. Explizit genannt hatte ich Claude Longchamp und Daniel Jositsch.

    Nun erfahre ich im heutigen Newsletter der SRG SSR idée suisse, dass ein TV-Zuschauer sich an den Ombudsmann des Fernsehsenders wandte und das Schweizer Fernsehen der Schleichwerbung für Claude Longchamp bezichtigte. Am SF trete kein anderer Politologe auf, ausserdem sei das Firmenlogo bei einigen von Longchamps Statements allzu prominent sichtbar gewesen.

    Achille Casanova kann den Verdacht auf Schleichwerbung meiner Meinung nach mit stichhaltigen Argumenten widerlegen. Interessant am Schlussbericht des Ombudsmanns Achille Casanova ist, wiederum in Bezug auf meinen Blog-Post vor einem Monat, folgende Original-Aussage:

    Sie kritisieren auch, dass Herr Longchamp beim Schweizer Fernsehen eine prominente Stellung einnimmt und öfters das politische Geschehen kommentiert. Grundsätzlich teile ich Ihre Sorge, wonach es wünschenswert ist, wenn verschiedene Politologen – und das Gleiche gilt auch für andere Experten, zum Beispiel Strafrechtler [Hervorhebung reidan] – zur Kommentierung und Vertiefung der Aktualität in Anspruch genommen werden. Es ist an sich nicht gut, wenn immer die gleiche Person Expertenmeinungen abgibt.

    Bingo. Bei den Strafrechtlern, die im Schweizer Fernsehen in letzter Zeit aufgetreten sind, ist der Plural eigentlich gar nicht zulässig. Es war nämlich immer (zumindest immer dann, als ich eingeschaltet hatte) Daniel Jositsch, der der war, den man fragte.

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  • 13 Feb 2007 /  Allgemein

    20 Minuten publizierte gestern die aktuelle Story eines armen Bullterriers
    http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/17586334

    Genau dieselben Bilder finden sich aber bei Urban Legends, datiert auf 2005!
    http://urbanlegends.about.com/library/bl_pit_bull_vs_porcupine.htm

    Meine Vermutung zum Tathergang: Ein armer, schlecht oder/und nach Zeilen bezahlter Redakteur wusste nicht was schreiben, suchte sich diese Bilder und schrieb eine kleine Story. Die Story selbst übrigens verstösst gegen die ungeschriebenen Gesetze journalistischer Texte (W-Regeln). Es steht nämlich weder wo, noch wann sich das Ereignis zugetragen hat. So einen Redakteur, der das Prinzip “news are actually ‘olds’” zu wörtlich genommen hat, würde ich feuern. Und den “20 Minuten”-Lesern würde ich empfehlen, nicht alles zu glauben, was sie in diesem Blatt lesen.

    zugetragen von Gottardo.

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  • 12 Dez 2006 /  Allgemein

    Wer voreingenommen lächelt, wenn ich sage, dass das Migros-Magazin lesenswert ist (und es auch ohne aktuelle Aktionen wäre), der disqualifiziert sich selbst. Die Genossenschaftspublikation mit 2,3 Millionen “Lesern” und 1,7 Millionen Auflage bietet nämlich in der Rubrik “Erziehung” häufig medienpädagogische Themen. Aktuell geht es um das Thema “Girls und Games“. Natürlich wird das Thema nur angekratzt und die Informationen sind fürs optimale Verständnis einer breiten Zielgruppe aufbereitet. Was mir allerdings gerade an diesem Beitrag gefallen hat, war der Einstieg mit den Ergebnissen einer fundiert wissenschaftlichen Befragung des Instituts für Angewandte Psychologie IAP, Zürich.

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  • 11 Nov 2006 /  Allgemein

    Arztbesuche sind selten erfreulich (besonders mein letzter). Wenigstens erheiterte mich die Novemberausgabe des “Nebelspalters“. Absichtlich (mit Illustrationen zur Umnutzung des Bundeshauses in verschiedenen Koalitionskonstellationen) und unabsichtlich (Versäumnisse des Korrektorats).

    • “wenn man über die Aufgaben des Museum spricht”
    • “beim Kauf eines neuen Drucker”
    • “das Ende des Internet”

    Seit dieser Lektüre bin ich bei Streifzügen durchs Web und beim TV-Konsum einige Male auf so etwas aufmerksam geworden. Woher dieser Trend kommt, kann ich nicht erklären. Sie können jede dieser Phrasen im WWW finden. Nachdem das apostrophierte Genitiv-s teilweise salonfähig geworden ist (“Anna’s Frittenbude” ist gemäss neuer deutscher Rechtschreibung erlaubt), geht es vielleicht nicht mehr lange, bis im “Duden” das Genitiv-s (des Museums, des Druckers, des Internets) ganz verschwunden sein wird.

    Heute jedenfalls muss das Genitiv-s noch gesetzt werden (ja, offiziell ist von “Internet” “Internets” der Genitiv Singular!).

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  • 01 Nov 2006 /  Allgemein

    Wenn einem Journalisten gerade nichts Besseres in den Sinn kommt, schreibt er Artikel basierend auf einer der folgenden Aussagen:

    • immer mehr
    • immer weniger
    • immer noch
    • immer wieder
    • noch nicht

    Achten Sie einmal darauf, wie solche Meldungen gestrickt sind. Die Leute scheinen ein Schema in ihren Köpfen zu haben, das Vereinfachungen benutzt. Aber dergestalt ist es eben, wie das konditionierte Publikum komplexe dynamische Sachverhalte vermittelt bekommen muss. Die “Terribles Simplificateurs” und ihre self-fulfilling prophecy!

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  • 23 Sep 2006 /  Allgemein

    NLZ neulich
    Sorry guys für die schlechte Bildqualität

    Hallo, wieder von zu Hause aus… Neulich in der NLZ stand auf Seite 2 unter “Top-News” diese Zusammenfassung. Wer alle Fehler findet, die/den lade ich nach Sursee oder Mägenwil zum Kafi ein, sobald mein Sitzfleisch sich wieder erholt hat.

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  • 15 Aug 2006 /  Allgemein

    Der Radsportbegeisterte Andy Rihs hat sich nach diversen Dopingfällen schweren Herzens dazu durchgerungen, sein Profi-Radteam aufzulösen.

    Quelle: Swissinfo

    Wer wird denn ob der vergangenen Dopingfälle gleich so epotional reagieren? Wir wünschen allen Radsportlern trotzdem gute Ergebnisse beim nächsten Test(osteron)

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  • 12 Jul 2006 /  Allgemein

    Christian Lüscher, Diplomand an der Zürcher Fachhochschule Winterthur, lädt auf blogsurvey.kaywa.ch zur Beantwortung von 18 Mehrfach-Fragen ein. Planen Sie ca. 10 – 15 Minuten dafür ein, wenn Sie sich zur Teilnahme entscheiden.

    Hintergrund
    Themen sind die Motivation zum und das Verhalten beim eigenen Bloggen sowie die Nutzungsmodalitäten von verschiedenen Informationsquellen. Laut Lüscher ist die Befragung nur ein Teil des Forschungsprojekts. Der zweite Teil besteht aus einer inhaltsanalytischen Betrachtung ausgewählter Weblogs. Das Ganze beruhe auf zwei publizistikwissenschaftlichen Theorien (von mir nach Beantwortung des Frabos gemutmasst: Agenda-Setting und Uses-and-Gratifications).

    Methodische Schwierigkeiten
    Die Validitätsproblematik von Online-Fragebögen ist in der Wissenschaft hinreichend bekannt (Stichworte: Selbstselektion, Manipulierbarkeit. Schon etwas älter, aber immer noch brauchbar: Batinic 2000). Da die Grundgesamtheit der Schweizer Blogger in ihren Merkmalen und der Quantität nicht bekannt ist, kann keine repräsentative Stichprobe gezogen werden. Als Explorativstudie kann sie aber mit deskriptiven Daten Grundlage zu weiterer Hypothesenbildung werden. Praktisch für den Forscher: Die Webbefragung ist bei einem gehosteten Service abgelegt. Damit liegt das Hauptaugenmerk bei der Fragebogenerstellung wieder dort, wo es sein sollte: Bei der adäquaten Operationalisierung der Hypothesen und nicht bei Budgetierung, Installation, Konfiguration und Skinning eines PHP-Scripts. Die Daten kommen, so verspricht der Anbieter, am Schluss in einem Format heraus, das man in Excel oder SPSS exportieren und dann dort analysieren kann.

    Berechtigte und unberechtigte Kritik
    Der Schweizer Blog-Papst (das gefällt mir immer noch so gut!) warf dem Studi gestern mangelnde Transparenz vor. Das war berechtigt in dem Sinne, dass nicht klar war, ob das jetzt irgendein Marketing-Fritze oder ein Studi oder wer auch immer durchführt. Der Autor hat diese Kritik beherzigt und einige Details über die Studie offen gelegt. Zu viel über die Hypothesen sollten die Teilnehmer allerdings nicht wissen, da dieses Wissen das Antwortverhalten beeinflusst (Stichwort: soziale Erwünschtheit).
    Matthias bemängelt weiter, dass ein “automatisches Fertigumfragescript” verwendet wird. Sandros Replik pflichte ich völlig bei. Es ist ökonomischer und man hat mehr Zeit bei der Erstellung der Fragen und der Fragebogendramaturgie, was, entgegen der landläufigen Meinung, eben nicht jeder kann. Bei manchen Fragen fehlt eine Kategorie “nichts davon”, was den Teilnehmer dazu zwingt, eine Option auszuwählen, die er so gar nicht unterschreiben kann. Das ist unvorteilhaft, da gebe ich Matthias recht. Mir persönlich gefiel nicht, dass manche Items anstatt der Frequenz nur den Grad der Zustimmung abfragten (zum Beispiel die nach den gebloggten Themen).
    Was uns das bringen soll, will Matthias weiter wissen. Ist ja klar, eine gute Abschlussnote für Christian Lüscher. Dem ist in erster Linie egal, ob dank Bologna alles flacher wird. Ernsthafter: nichtrepräsentative Aussagen über eine Auswahl an Bloggern, deren Motivationen zum eigenen Bloghandeln und deren Informationsquellen.

    Howto?
    Wichtig wird jetzt sein, dass er die Daten auf dem korrekten Skalenniveau und mit den korrekten Koeffizienten auswertet und präzise, verwertbare Daten über die teilnehmenden Blogger (über alle geht ja nicht) gewinnt. Das ist nicht nur in der Publizistikwissenschaft wichtig, sondern auch bei den Psychologen und in allen anderen Sozialwissenschaften.

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