• 12 Dez 2006 /  Allgemein

    Papi und Schatzi sind im Krieg fürs Vaterland, werden zu Hause aber gebraucht? Angehörigen US-amerikanischer Soldaten im Aktivdienst leisten seit etwa einem Jahr lebensgrosse Abbilder aus Karton Beistand in allen Lebenslagen. Der Kartonpapa ist beim Mittagsmal zugegen, fährt im Auto mit oder im Einkaufswagen. Die Nachfrage nach den Pappkameraden sei sehr gross, wie die “Süddeutsche” weiss. Denn zwei Vorteile gegenüber dem echten “Pater Familias” hat die Pappfigur: Sie verhält sich immer so, wie es den Erwartungen entspricht – Projektionsfläche in Zank und Eintracht. Und sie stellt verdammt wenig Ansprüche an Platz, Nahrung und Sex. Die Interaktion mit dem flachen Stellvertreter erinnert an den psychotherapeutischen Gebrauch von Stofftieren (wie z.B. hier).

    Ich überlege deshalb, ein lebens-, nein doch eher überlebensgrosses Bild von der moralischen Superinstanz der Schweizer Blogosphäre aufzuziehen.

    Wie wäre es mit Metablog-Matze, früher von anderen auch gern Blogpapst genannt? Programmatisch nennt er sein Weblog “Swiss Metablog”, deshalb fällt er mir zuerst ein. Als materialisiertes Über-Ich stünde er mir dann zur Seite beim Bloggen. Er würde mir nur durch Blicke sagen, was richtig, was falsch, was dumm und was kommerziell ist. So dass ich immer an seinen Beitrag hier denken könnte. Nein, der Artikel bleibt sachlich und argumentiert nachvollziehbar (und erfährt heute durch Christian eine gute Replik).

    Kleiner Exkurs: Die Kommerzialisierung (manchmal auch niedlich “Verkommerzialisierung” genannt) der Schweizer Bloglandschaft schreitet voran, SwissBlogPress rutscht in den für die Meinungsbildung in den Köpfen so wichtigen Slot des Sündenbocks. Dabei verpflichtet sich kein Mitglied, beim gemeinsamen Marketing mitzumachen (es ist lediglich erwünscht, das SBP-Logo auf der Frontseite seines Blogs zu zeigen). Die lobenswerten Ideen, die sich SBP ausser der Vermarktung noch auf seine Fahnen geschrieben hat, werden von Kritikern selten erwähnt. Stänkereien richten sich gegen die Aufnahmekriterien, da Kritiker sich dafür interessieren, ob ihr Blog aufgenommen werden könnte (habe ich selbst auch thematisiert). Natürlich wird das In-Group-Out-Group-Problem verschärft, wenn SBP in einem Mainstream-Printmedium kommuniziert, der Verein sei im gewissen Sinne elitär. Vergessen wir aber eines nicht: Aggregieren bzw. Herden bilden gehört zum Bloggen doch dazu. Ich bin gespannt, wohin meine Herde zieht und hoffe, dass ich im einen oder anderen Moment auch mal an den Zügeln zupfen darf. — Exkurs Ende.

    Leider bin ich nicht weiter, wer sonst als mein “Flat Daddy” der Schweizer Blogosphäre in Frage käme. Der oder der vielleicht. Meinen höchsten Respekt jedoch zolle ich diesem Blogger hier, der hält sich klugerweise aus diesen ganzen Spielchen raus (und bloggt viel zu selten). Mal lugn und Foto auftreibn.

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