… er den Klingelbeutel herumgehen lässt und faucht: «Kolleeeekt!»
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29 Jan 2008 / MainlyBrabbel
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29 Jan 2008 / MainlyBrabbel
… sie Dir anstatt «Küss mich!» zart ins Ohr haucht: «Conneeect!»
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18 Jan 2008 / MainlyBrabbel

Läden hat’s noch keine in der Surseer Bahnhofunterführung, aber schon mal ein Migros-Wägeli.
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18 Jan 2008 / MainlyBrabbel
Es hat geklappt! Wieder habe ich Mike Shiva auf U1 eingeschaltet, und seine Energie hat etwas in mir ausgelöst. Nicht nur, dass ich unbedingt auf Digital-TV umsatteln möchte, da Mike Shiva mir vorgestern schon wieder gedroht hat, dass cablecom ihn am darauffolgenden Tag aus dem analogen Programmangebot wirft. Und was war gestern abend? U1 und Shiva TV, wie immer. Nur mit Laufschrift von cablecom, dass U1 am 21. Januar aus dem analogen Programm verbannt werde. Langsam glaube ich an einen Marketing-Gag. Wieviele Digital-TV-Kunden hat cablecom in den letzten zwei Monaten hinzu gewonnen, wenn man sich alle saisonalen Effekte wegdenkt?
Nein, wenn ich von einer Anruferin höre, dass sie enttäuscht ist darüber, dass Mike Shiva sich nicht für das Päckli bedankt hat, welches sie ihm geschickt hat, dann schiesst es mir wieder ins Hirn. Ja, das ist es, und es ist ein Fremdwort – bzw. deren zwei: “Parasoziale Interaktion”.
Dabei handelt es sich um ein Phänomen, mit dem sich die Mediennutzungsforschung seit mehreren Jahrzehnten beschäftigt. Aktuell läuft ein Projekt am IPMZ, Uni Zürich.
“Para-” deshalb, weil die -soziale Beziehung nicht zwischenmenschlich, sondern ziemlich einseitig ist. Wer z.B. täglich seine Telenovela schaut, bekommt allmählich den Eindruck, die dargestellten Figuren zu kennen und zu mögen (oder das Gegenteil davon). Medienproduzenten spielen, rechnen gar damit, dass dieses Phänomen möglichst stark beim Publikum ausgeprägt ist.
Die Call-in-Sendung “Mike Shiva – die Zukunft” funktioniert ähnlich. Zwar ist es tatsächlich möglich, mit Mike Shiva höchstpersönlich zu sprechen, und das ist tatsächlich eine soziale Interaktion. Nun haben aber immer wieder Leute das Gefühl, die “Gschpürschmi”-Beziehung währe auch dann noch, wenn der “Advice-of-Charge”-Taxenzähler nicht mehr piepst. Sie denken, das Gespräch bleibe dem TV-Star ebenso im Gedächtnis wie ihnen. Nur: Er telefoniert mit vielen hilfsbedürftigen Leuten. Es ist klar, dass er sich nicht mehr an alle erinnert, auch wenn sie ihm ein Paket schicken.
Und trotzdem reuen offenbar die vier Franken fünfzig pro Minute nicht – auch wenn Mike Shiva zwischendurch mal SMS-elt oder während einem Beratungsgespräch immer wieder auf sein E-Mail-Programm hinüber schielt. Er ist ja so ein Lieber, so ein netter Kerl. Ein wahrer Menschenfreund, der sich die Menschenfreundschaft bezahlen lässt. Ich kann’s nicht verstehen.
Tags: cablecom, ipmz, medienwirkungsforschung, publizistikwissenschaft, rezeption, satire, schramm, shiva, tv, u1 tv, wirth
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16 Jan 2008 / MainlyBrabbel
Die erfolgreiche RTL-Sendung “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” ist wieder da. Same procedure as last time, bloss: noch unbekanntere deutsche Cervelat-Prominenz als damals, die nach der Sendung den Weg der namensstiftenden Wurst gehen dürften.
Streit darum, ob man einen Fisch brät oder kocht, wobei der Sender den “Stars” das Kochen empfiehlt. Initiiert durch RTL-Urgestein Papa Schimpf. Ein DJ beim Nacktbaden. Ein ehemaliger Pornostar, der in Sachen Bieder-Image nur noch von der ebenfalls anwesenden Schauspielerin übertroffen wird, die tatsächlich “Biedermann” heisst. Ehemalige Casting-Popstars, die allen beweisen wollen, dass sie ihren Namen wieder einmal in die Medien bringen können. Eine blonde Schwedin aus einer Tanzshow (ebenfalls ein Gefäss für die wachsende deutsche Halbprominenz) – soll wohl niedrige Gelüste ansprechen und die Lücke füllen, die bereits erwähntes Ex-Erotikidol nicht füllen mag. Ein sichtlich gealterter Schlagersänger mit Ost-Akzent. Und Mami Modetussi. Hm…. Wer sich was daraus in verdaulicher Länge ansehen will, wird bei Clipfish fündig.
Weit weniger gut verdaulich als diese Clips sind die täglichen “Dschungelprüfungen”, in denen die Dschungelcamp-Bewohner sich in meist Ekel erregenden Situationen zur Schau stellen müssen, um sich Mahlzeiten zu verdienen. Käfer und Känguruh-Hoden liegen bestimmt schwer im Magen.
Für den Verzehr von Insekten gibt es einen Fachbegriff: Entomophagie.
Für entomophagische Feinschmecker zitiere ich hier noch ein Rezept zum Nachkochen zuhause:
Spaghetti mit Mehlwurm-Topping
Zutaten: 250 gr “Mehl-Würmer” (aus dem Zoo-Laden), 4 1/2 Tassen Wasser, 1 TL Öl, 1 Zweiglein Majoran, 1 Zweiglein Thymian, 1/4 Zwiebel, 2 Lorbeer-Blätter, Spaghetti, 8 TL Butter, Oliven-Öl nach Belieben, 4 Tl Mandeln, nach Belieben gehackt reichlich Petersilie, nach Belieben Salz, Pfeffer, Basilikum und RicottaMehlwürmer eine Stunde einfrieren. Mit Leitungswasser abspülen, trocken tupfen und in einer Pfanne in Öl braten.
Spaghetti mit Öl, Thymian, Majoran und Zwiebeln 10 bis 20 Minuten in Wasser kochen. Danach abschrecken.
Butter in Bratpfanne erhitzen. Spaghetti hinzugeben, salzen und pfeffern.
Petersilie, Mandeln, Basilikum, Ricotta und Öl mischen. Auf Spaghetti in der Pfanne geben, durchmischen und erhitzen.Nudelgericht auf Teller verteilen, obenauf kommt je eine Portion Mehlwürmer. Dazu roter Landwein.
Mehr köstliche Rezepte soll es im Insektenkochbuch geben.
Würde ich sowas probieren?
Nein, ich empfinde zu viel Ekel beim Anblick von Maden, Würmern und Raupen. Auch wenn Heuschrecken mit Schoggiüberzug in manchen Regionen dieser Erde als süsse Snacks gehandelt werden und ich Schokolade sehr mag: *würg*!Nachtrag 18.1.: Heute wurde bekannt, dass Biedermann Fotos für den “Playboy” aufgenommen hat. Fits.
Tags: dirk bach, entomophagie, gina wild, lisa bund, rtl, star, tv
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14 Jan 2008 / MainlyBrabbel
Eine aktuelle Entwicklung in der Schweizer Politik erinnert mich an einen Film. Dies ist mir spontan in den Sinn gekommen:

Wer den spannenden Thriller mit Denzel Washington nicht kennt, informiere sich hier. Wer den freundlich grinsenden Mann nicht kennt, nehme einen kräftigen Schluck hiervon.
Tags: candidate, implantat, manchurian, nanotech, politik, satire, schweiz, sg, svp, toni brunner
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09 Jan 2008 / MainlyBrabbel
Das war ja wohl das schwächste Feiertags-TV-Programm aller Zeiten, oder nicht? Wiederholungen von den Spielfilmen, die zu jung für Klassiker und zu alt für Neue sind, Fernsehfilme, langweilige Dokus. Ihr müsst wissen: Ich glotze noch das gute alte Analog-TV, 576i-PAL-Auflösung, rund 40 Sender.
Zwischenzeitlich habe ich aber unter all dem miesen Kram eine wahre Perle gefunden, die das Prädikat “gute Unterhaltung” wirklich verdient hat: Das Kleinod heisst “Mike Shiva – die Zukunft” und läuft auf dem Schweizer Privat- und Praktikantensender U1 TV (seltsamerweise immer noch aufgeschaltet im cablecom-Gebiet Sursee).
In dieser Call-In-Sendung, die täglich mehrere Stunden läuft und in Kürze (wohl auf Grund ihres Erfolgs) noch mehr Sendezeit erhält, legt der charismatische Hellseher Mike Shiva für die Anrufer die Karten.
Der Kartenlegerei stehe ich ambivalent gegenüber. Ich kann nicht behaupten zu glauben, dass die Karten wirklich die Zukunft voraussagen. Trotzdem kann die Beratung für den Einzelnen hilfreich sein. Der Kartenleger fühlt sich mit einigen Fragen zur Lebenssituation in den Ratsuchenden ein und deutet dann die bildstarken Symbolbilder auf den Karten. Der Ratschlag widerspiegelt letztlich sowohl die Persönlichkeit des Legers wie auch des Ratsuchenden. Ideal natürlich, wenn die Mutmassungen des Kartenlegers mit den Erwartungen des Ratsuchenden kongruieren, die dieser aus dem Geratenen, aus den eigenen Erfahrungen, Wünschen und Hoffnungen ständig neu konstruiert.
Die Komik, die diese Sendung zeitweilig so unterhaltsam macht, liegt darin, wie Mike Shiva und seine ihn unterstützenden und vertretenden Kollegen (wie zum Beispiel der unnachahmliche Gino, der allen Ernstes Beratung in deutscher Sprache anbietet) den verschiedenen Menschen begegnen, die sie um Hilfe ersuchen.
Da gibt es die junge E., die Probleme mit Männern und dem Rauchen hat. Oder die Schwiegermutter, die sich um das Seelenheil ihres frisch verheirateten Sohnes sorgt.
Das ginge ja noch.
Da ruft aber auch noch die ältere Primarlehrerin an, die den Mike “sooo toll” findet und ihn nur rasch informieren will, das ein Geschenkpäckli für ihn unterwegs ist. Oder die Dame, die ein wenig enttäuscht ist, dass sich der Mike nicht mehr an ihren Anruf vom letzten Dienstag erinnert. Oder der F., der Mike fragt, ob er einen Product-Placement-Vertrag mit Adidas geschlossen hat. Oder der D., der von einem Zukunfts-Berater, zwischenzeitlich von Mike gefeuert, in einem eigenen kleinen Geschäft um einen fünfstelligen Betrag erleichtert worden ist.
Besonders interessant ist auch, wie Mike Shiva die Zeit zwischen zwei Anrufen zu füllen versucht. Zum Beispiel, indem er mehrere Leute dazu anweist, doch bitte im Studio das Fenster zu öffnen. Es sei eine Affenhitze. Oder, indem er die Zuschauer dazu bewegen will, auf cablecom digital tv zu wechseln.
Bei aller Liebe: Es gibt auch Bedenkliches, das mich von der höheren, seligen Bewusstseinsebene wieder hinab holt. Zum Beispiel, dass die Berater eigentlich wie ein Call Center organisiert sind. Dass in der Bildschirmecke immer der Vermerk “Werbesendung” angebracht ist. Und dass ein Anruf über vier Franken pro Minute kostet. Zumal die Berater sich Zeit nehmen mit Karten mischeln. Was für eine beneidenswerte Gelassenheit. Oder Mikes Kollegin, die einer weinenden Frau rät, sie solle sich endlich mit einem Anwalt in Verbindung setzen. Obwohl die Frau schon mehrmals erwähnt hat, dass sie bereits einen Anwalt hat.
Ich habe auch einmal in einem Callcenter (allerdings in einem bodenständigeren) gearbeitet und kann nachvollziehen, dass mit fortgeschrittener Zeit Konzentration und Einfühlungsvermögen nachlassen. Trotzdem: Diese Leute suchen Hilfe und zahlen dafür.
Und in solchen Fällen höre ich dann auch auf zu schmunzeln.
