Mein Vater ist seit über 30 Jahren in der Schweiz. Zwar hat er mich, Quasi-Secondo und schweizerisch-italienischen Doppelbürger, seine Muttersprache nicht gelehrt, dafür bietet er mir immer wieder interessante Einblicke in den Fremdsprachenerwerb. Zum Beispiel mit dem Wort “prülla” in Sätzen wie “musche nit prülla”. Gemeint ist nicht das, wonach es tönt, sondern das Weinen, schweizerdeutsch “brüele”, nicht etwa “brüllen”.
MusicStar-Kandidatin Börni hat Sonntagabend jedoch die Ballade “Because of you” von Kelly Clarkson interpretiert. Was Detlef Soost als “Aggressivität” bezeichnete, dem würde ich gerne das Verbum “prülla” zuordnen. Es war halb geflennt, halb gebrüllt (andere schreiben sowas dazu). Ach, die schöne Ballade. Dabei könnte die Kandidatin wirklich singen. Ansonsten haben mich Brian, Sandra und Fabienne gesanglich beeindruckt.
Auch in Tschörmanie hat wieder eine Castingshow begonnen. Bei “Deutschland sucht den Superstar” darf Bohlen wieder derb beleidigende Sprüche klopfen, für die er von empörten Kandidaten auch mal eine kalte Dusche kassiert – die Kamera natürlich immer feste drauf. Es werden mit Clips, Website, Klingelton und anderem Pipapo gezielt Kultfiguren wie Johanna aufgebaut, die zwar nicht singen können, aber von sich behaupten, nicht nur die Haare, sondern auch die “Möpse” schön zu haben.
Und darum geht’s doch – warum sonst sollte man eine deutsche Castingshow unter anderem auf Mallorca produzieren? Zum Prülla.


Januar 18th, 2007 at 13:37
DSDS ist echt ein Brüller! Schadenfreude ist halt immer noch die schönste Freude.
Musicstar dagegen ist eher zum “brüele”. Nicht nur für Hardcore-Softie Soost, auch für die zu Tode gelangweilten Zuschauer.
Januar 21st, 2007 at 15:20
Schadenfreude ist zudem auch die aufrichtigste Freude. Danke Schweiz, danke Schweizer! Ich liebe euch!