Wenn man vorliegenden Blog nach “20min” durchsucht , findet man doch so einige illustre Beispiele des journalistischen Schaffens beim Pendlerblatt, welches die gelangweilten Jugendlichen der Agglomerationen wieder zum Lesen (oder zumindest zum Bilder-Anschauen) bewegt hat.
Bei einem der letzten Beiträge habe ich laut daran gedacht, einen Watchblog für “20min” zu eröffnen. Der Oli von notaboutnothing.ch und der Sandro von ignoranz.ch würden sogar mithelfen.
Ein Watchblog (Beispiel “BILDblog”, siehe Linkliste rechts) beobachtet ein Massenmedium kontinuierlich und macht auf journalistische Verfehlungen aufmerksam. Im Idealfall handelt es sich um eine humorige Aufbereitung von Verstössen gegen journalistische Qualitätskriterien. Das ist natürlich eine Mission, eine verpflichtende Sache, die, soll sie Leser gewinnen, regelmässig gepflegt werden will. Deshalb muss man sich Gedanken darüber machen, ob es wirklich einen Watchblog für “20min” braucht. Meiner Meinung nach macht die Redaktion eigentlich nichts Schlimmes/Denkwürdiges, ausser gelegentlich aus einem Einzelfall den Beginn einer Serie zu machen, nicht zu wissen, dass eine stationäre Maus “Trackball” genannt wird oder mal ein Bild eines Künstlers mit dem eines Politikers zu verwechseln. Und was das Korrektorat macht, das habe ich mich selbst schon gefragt. Mit anderen Worten: Bis auf die Sonderwerbeformen ist “20min” harmlos.
Bitte kommentiert fleissig, ob die Idee trotzdem weiter verfolgt werden soll.
Update 28.6.: Die Diskussion ergibt bisher (bis Kommentar Nr. 7), dass einige Leute ein solches Angebot schätzten und sogar bereit wären, an so einem Watchblog mitzuwirken. Allerdings müsste sich die Medienbeobachtung nicht auf “20min” beschränken, sondern den “Blick” und u.U. das Schweizer Fernsehen mit einbeziehen.
Für mich stellt sich einfach die Frage, ob wir mit diesem weiteren Fokus nicht bald bei dienstraum.com, medienspiegel.ch oder nilpferd.blogspot.com (danke Stefan) angelangt sind und parallel fahren. Zum anderen gibt es ja auch die News des Presserats. Ebenso frage ich mich, ob es rechtliche Probleme schafft, so etwas aufzuziehen.


August 4th, 2005 at 09:17
Das watchblog der Pendlerzeitung 20 Minuten: Pendlerblog Das Watchblog der Basler Zeitung: Gesammelte Bazismen Nur das der Blick, da Schweizer Pendant zur BILD-Zeitung hat noch kein Watchblog. Obwohl hier vor kurzem eine Initiative zum Start eines solchen diskutiert wurde.
Juni 25th, 2005 at 22:07
die frage ist gut und berechtigt… die einwände ebenfalls. zum glück gibt es in der schweiz kein ja (massen-) medium, dass so wüten kann wie die bildzeitung in DE – und daher ist wohl auch die existenzberechtigung für einen watchblog etwas geringer. bildblog als grosses vorbild zu nehmen ist daher evtl. nicht optimal, da die natürlich mehr futter haben als wir schweizer. doch trotzdem gibt es immer wieder nette ausrutschter in der CH-Medienlandschaft – insbesondere bei 20 minuten – einige hast du selber erwähnt. mir kommen spontan noch problemlos 2, 3 weitere in den sinn.
kommt dazu, dass es bisher meines erachtens noch keinen “waschechten” watchblog gibt in der ch – weder für 20 min. noch für andere medien. oder täusche ich mich da?
ich fände es auf jeden fall interessant, den gedanken mal weiter zu spinnen. allerdings würde ich den blog aber nicht “nur” auf “20 min.” beschränken, sondern auf weitere medien ausweiten.
Juni 25th, 2005 at 23:36
Ein 20min Watchblog wäre sicher sehr interessant. 20min enthält einen sehr grossen Anteil abgeänderte Agenturmeldungen. Das führt zwangsläufig zu journalistischen Fehlleistungen, da redigiert statt recherchiert wird. Manchmal werden im Leadtext sogar Inhalte versprochen, die dann in der Meldung gar nicht vorkommen, weil sie rausgekürzt wurden.
Was mir in diesem Blatt schon seit Monaten den letzten Nerv tötet: Die Comicseite mit dem immergleichen «Ich bin jetzt Online»-Beule.
Juni 26th, 2005 at 10:45
Ich finde auch es braucht einen Watchlblog. Ob der sich nur auf 20min bezieht, oder ob man auch gleich dem Blick etwas auf die finger schauen will, wäre noch auszusdiskutieren. Wie schon erwähnt wurde hat weder Blick noch 20min eine ähnlich grosse Macht wie Bild, von daher wäre es wohl das Beste einen Boulevard-Watchblog zu machen. Ob es dann plötzlich Schwerpunkte auf 20min gibt und man da ein “spinoff” draus macht kann man sich ja später überlegen.
Content gäbe es meiner Meinung nach auf jeden Fall genug. Es müssten einfach genügend Redaktoren sein, dass man wirklich jeden Tag abdecken kann… Mein Angebot steht auf jeden Fall.
Juni 26th, 2005 at 14:04
Ich habe mir schon oft Gedanken über ein solches Blog gemacht.
Ich würde auch mithelfen. Kontaktiert mich wenn ihr Interesse habt. webmaster [at] samsnet.org
Juni 26th, 2005 at 21:55
[...] 2005 @ 10:55 pm · Abgelegt unter trends&news der dani hat hier das thema watchblog mal angerissen… mitdiskutieren ist erlaubt :) [...]
Juni 27th, 2005 at 09:44
@Hey: Das “ich bin jetzt auch online!”- Panel hat mir auch seit 2002 den letzten Nerv geraubt (obwohl, war immer wieder für einen running Gag im Hörsaal gut) – damit ist aber seit dem “Redesign” (Verschlimmbesserung?) zum Glück vorbei…
Juni 27th, 2005 at 14:01
Wenn ihr so etwas aufzieht, dann wäre ich als «freier Mitarbeiter» auch mit dabei. Als ehemaliger Lokalblatt-Schreiberling und Publizistikstudi sollte ich schon noch den einen oder anderen kritischen Beitrag hinkriegen :-). Allerdings habe ich den Blick nicht abonniert und da ich derzeit zuhause an meiner Lizarbeit schreibe, habe ich auch die 20min selten in der Hand.
BTW: hier ein paar Domainvorschläge (alle noch frei):
- boulewatch.ch
- printwatch.ch
- printcontrol.ch
- argusaugen.ch
Letzterer gefällt mir besonders gut und ich wundere mich, warum so ein geiler Domainname noch frei ist.
@ Sandro
Unterschätze nicht die Macht des Blick. Stichwort: Affäre Borer. Bild und Blick haben in meinen Augen ähnlich viel Macht.
Juni 27th, 2005 at 17:23
was würden wir denn ausser einer netten domain (boulewatch und argusauge gefallen mir am supersten) noch brauchen? sprich: wie viele leute müssten da ca. mit an bord sein? 4, 5, 6? was denkt ihr?
Juni 28th, 2005 at 09:08
zu danis nachtrag: wenn man den (rein stylistischen!!) vergleich zum bildblog hinzuzieht, dann denke ich, dass wir die bestehenden blogs nicht gross konkurrenzieren würden. bildblog hat ja oft einen eher “humoresken” bis satirischen charakter – und beschränkt sich auch sehr konkret auf boulevard (sprich: bild). die genannten beispiele von dani beobachten aber ehner die medienlandschaft als gesamtes bzw. eher “seriöse” medien. die posts sind jeweils sicherlich fundiert, dafür aber nicht immer sehr ansprechend zum lesen für leute, die sich sonst weniger mit medien beschäftigen. m.e. käme bei einem boulwatch (das wort gefällt mir) aber – sowohl bei themenwahl wie auch bei sprache – das “unterhaltungsmoment” nicht zu kurz. so sähe ich das jedenfalls. das würde übrigens auch die rechtl. situation entschärfen, da sowohl das uhrheberrecht als auch das gesetz betr. übler nachrede bei satirischen werken keine konsequenzen vorsehen.
Juni 28th, 2005 at 09:21
Je mehr Redaktoren desto besser. :-)
Was man braucht:
- Klare (journalistische?) Richtlinien, evtl. ein “Chefredaktor”?
- Eine klar definierte gemeinsam erarbeitete Mission
- Ein Techniker
- Ein Designer
- Einige Zeitungsabos
Juni 28th, 2005 at 09:23
Hmm, die Idee hatte ich während meiner Pendlerzeit auch einmal.
Mein Namensvorschlag: 21 Minuten.
Rechtlich sollte das doch kein Problem sein, solange man auf persönliche Angriffe auf die Autoren verzichtet, vorsichtig zitiert bzw. lieber verlinkt als Artikel zu kopieren und deren Design nicht zu offensichtlich kopiert.
Juni 28th, 2005 at 10:01
medienspiegel et al sind nicht dezidierte Boulevard-watchblogs wie ihr das plant, die haben ein allgemeineres Konzept. Deshalb sehe ich hier keine Doppelspurigkeit. Und solange ihr euch an die Wahrheit haltet (genau das ist ja die Absicht), sollte es auch keine rechtlichen Probleme geben; aber darüber könnten euch sicher die Macher vom bildblog Auskunft geben.
Meine Meinung: Überlegt nicht lang rum, macht’s einfach und schaut in einem halben Jahr, ob es noch Spass macht.
Juni 28th, 2005 at 10:28
Sehe ich genauso wie Matthias. Auf was warten wir noch?
Juni 28th, 2005 at 12:49
Also ich würde mich im Notfall auch noch melden ;)
Juni 28th, 2005 at 13:47
Sicher ist machen besser als diskutieren. Hier trotzdem noch ein paar stichwortartige Gedanken von mir:
Linie: Humor/Satire oder trocken/exakt?
Produkte:
- Nur Print oder auch TV/Radio/Web ?
- Nur Boulevard oder z.B. alle Zeitungen ?
Reichweite: Deutsche Schweiz oder ganze Schweiz?
Web: Auch Webangebote der gewählten Medienprodukte mitberücksichtigen?
Rechtsform: z.B. Verein? Einzelpersonen sind ungünstig, weil diese dann Haftbar gemacht werden können.
Hosting: Selber gehostetes Blog oder bei einem Anbieter?
Design: Muss ein eigenes Design / CI her?
Redaktion: Wer darf schreiben? Gibt es eine Hierarchie? Gibt es eine gegenseitige Kontrolle der Beiträge?
Rechtliche Beratung: Ein Experte fürs Medienrecht wäre nicht schlecht.
Finanzierung: Spenden, Abos, Bannerwerbung, Sponsoring durch Webloganbieter?
Fragen über Fragen…
Als Enzelperson kann man so eine Geschichte natürlich viel spontaner aufziehen. Als Gruppe muss man sich IMHO vorher mal an einen Tisch setzen und die Sache durchdiskutieren.
Juni 28th, 2005 at 16:25
[...]
Wie wir gesehen haben, gibt es einige interessierte Kollaborateure. Wie Adrian anmerkt, gibt es noch einige Dinge zu diskutieren. Auf Sandros Anliegen hin kann man [...]
Juni 29th, 2005 at 09:25
Gibt es ein CH-Boulevard-Watchblog, bin ich auf jeden Fall ein Leser. Ob und wie ich die Idee unterstützen soll/kann, bin ich mir noch nicht so sicher.
Ich finde es richtig, alle Medien zu beobachten, die boulevardesk sind, also auch SFDRS. Stoff wird sich sicher auch finden. Ich frage mich nur, wo die Boulevard-Kritik überhaupt ansetzen soll, auf Grund welcher Kriterien/Werten soll beurteilt werden?
Ich selber würde mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, mich als Hüter des Qualitätsjournalismus aufspielen wollen. Dazu braucht es Glaubwürdigkeit, fundiertes Wissen. Martin Hitz hat das wohl. Wer hat es sonst noch, der hier mitbloggen würde?
Zudem: die Journiszene ist hierzulande klein, man steht sich schnell auf den Füssen rum und wir sind doch eigentlich alle abhängig von den Medienhäusern (als Leser wie auch als Angestellte). Wofür oder wogegen sollten wir eigentlich ankämpfen?
Aber: Bloggt los und ich lese gerne mit!
Juni 29th, 2005 at 11:29
Ach ja, das Humoristische/Satirische habe ich in meinem Kommentar oben ausser Acht gelassen.
Das ist wohl auch ein Weg. Das hat dann vielleicht nicht den Qualitätsjournalismus-Anspruch.
Juli 6th, 2005 at 17:36
Also mir gefällt die Idee eines weblogs, das (oder der?) sich v.a. auf 20min & Co. bezieht. Ich würde die Sache aber nicht als “Kontrollorgan” o.ä. aufziehen, dafür ist die schweizerische Medienlandschaft wohl zu klein und zu uninteressant und wir nicht unbedingt besser informiert als die Journalisten. Aber tägliche Kommentare wären witzig – wie oft habt ihr euch z.B. schon die Haare gerauft, wenn ihr eine Filmkritik gelesen habt, in der Namen, Rollen, Handlung und überhaupt alles vermischt wurden und ihr euch ernsthaft fragen musstet, ob der/die Autor/in den Film überhaupt gesehen hatte? So Fehler oder schräge Formulierungen, ganz zu schweigen von grammatikalischen oder Rechtschreibfehlern gibt’s ja zigfach.
Juristisch sollte kein Problem bestehen, sofern die Beiträge immer klar zitiert sind und nie der Eindruck entsteht, die Seite habe etwas mit einer der offiziellen Seiten der Printorgane zu tun. Vorsicht ist natürlich bei Bildern geboten, da die Rechte insb. an Archivbildern oft bei irgendwelchen Agenturen liegen…
Juli 8th, 2005 at 12:28
Heute via NZZ-Artikel auf das Pendlerblog aufmerksam geworden. Das ist ja schon ein 20min-Watchblog. Vielleicht würden siech die Schreiber dort über Unterstützung freuen.
Juli 8th, 2005 at 13:09
Ja, so etwas hatte ich mir ursprünglich auch vorgestellt.
Juli 8th, 2005 at 13:53
Ganz sicher würden wir vom Pendlerblog uns über Unterstützung freuen. Lest ihr auch 20 Minuten freiwillig? Und fällt euch auch so manches darin auf? Eine Redaktion von 10 oder mehr Leuten brächte da mehr zustande, als nur wir 4 faulen Leute vom Pendlerblog. Kontakt: pendlerblog@gmx.ch
Juli 8th, 2005 at 15:21
Wir können noch Hilfe gebrauchen, insbesondere ein paar Menschen, die sich auch die St. Galler, Basler, Berner und Luzerner Ausgabe anschauen, da wir uns fast nur auf die Zürcher Version beschränken. http://pendlerblog.blogspot.com.